Was ist ein Morbus Crohn-Schub?

Morbus Crohn gehört wie die Colitis ulcerosa zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). „Chronisch“ bedeutet, dass die Entzündungen dauerhaft vorhanden sind. Die Stärke der damit verbundenen Symptome schwankt jedoch ständig: Nach beschwerdefreien Abschnitten treten sie erneut auf, bessern sich und kommen irgendwann wieder. Solche vorübergehend stärkeren Entzündungserscheinungen mit ausgeprägten Beschwerden bezeichnet man als Schub.

Wie lange dauert ein Schub bei Morbus Crohn?

Weder die Dauer noch die Zeit bis zum Auftreten eines neuerlichen Schubes lassen sich voraussagen. Die beschwerdearmen Abschnitte können Monate, manchmal Jahre anhalten, in anderen Fällen nur wenige Wochen dauern.

Zudem ist nicht absehbar, welcher Abschnitt des Magen-Darm-Traktes als Nächstes von einem Schub betroffen sein wird. Prinzipiell kann Morbus Crohn überall im Verdauungstrakt auftreten, auch wenn es den Endabschnitt des Dünndarms und den Dickdarm bevorzugt erwischt. Entzündete und gesunde Abschnitte liegen unmittelbar nebeneinander und wo sich die Entzündung beim nächsten Mal am stärksten sein wird, lässt sich im Vorfeld nicht sagen.

Woher kommt ein Schub?

Das ist ebenso wenig geklärt wie die Ursachen von Morbus Crohn selbst. Man weiß nur, dass es sich wie bei allen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der die Immunabwehr fälschlich körpereigene Strukturen des Magen-Darm-Traktes angreift. Warum das so ist, entzieht sich bislang unserer Kenntnis. Man weiß allerdings, dass Morbus Crohn familiär gehäuft auftritt und Umwelteinflüsse wie ungesunde Ernährung, Rauchen oder Stress die Krankheit begünstigen und somit auch die Schübe beeinflussen.

Wie äußert sich ein Morbus Crohn-Schub?

Oftmals beginnt alles mit einem leichten Grummeln im Bauch. Mit teils kolikartigen Schmerzen und Durchfällen macht ein Schub unmissverständlich auf sich aufmerksam. Wo die Bauchschmerzen auftreten, hängt vom Ort der Entzündung ab. Meistens gehen sie vom rechten Unterbauch aus, wo der Dünndarm in den Dickdarm übergeht und auch der Blinddarm sitzt.

Die wässrigen Durchfälle treten teils über zehnmal täglich auf und sind in den meisten Fällen frei von Blutbeimengungen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zur Colitis ulcerosa, bei der sich vor allem die oberflächliche Schleimhaut entzündet. Bei Morbus Crohn sind tiefere Schichten der Darmwand betroffen, von denen aus das Blut nicht so schnell in das Lumen des Darms gelangt.

Zu Schmerzen und Durchfällen kommen Blähungen und bei starken Schüben oftmals Fieber. Die Patienten sind müde, erschöpft und haben keinen Appetit. Übelkeit und Erbrechen tun ihr Übriges, sodass sie bei einem Schub teils dramatisch an Gewicht verlieren. Der entzündete Darm hat Probleme mit der Aufnahme von Nährstoffen, Mineralstoffen und Vitaminen. Allen voran macht sich ein Vitamin B12-Mangel durch Müdigkeit, Erschöpfung und erhöhte Infektanfälligkeit bemerkbar.

Nicht zu unterschätzen sind die psychischen Auswirkungen bei einem Morbus Crohn-Schub. Vergeht der Appetit aufs Essen und muss man tags wie nachts andauernd zur Toilette, schlaucht das nicht nur den Körper, sondern beeinträchtigt auch das seelische Wohlbefinden. Beides führt dazu, dass ein Morbus Crohn-Schub mit erheblichen Einschränkungen im Alltag verbunden ist.

Wie äußert sich ein Morbus Crohn-Schub bei Kindern und Jugendlichen?

Die verminderte Aufnahmefähigkeit des Darmes ist vor allem für Kinder und Jugendliche fatal, da diese im Wachstum einen hohen Bedarf an Nährstoffen, Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen haben. Mangelerscheinungen äußern sich in Untergewicht, Entwicklungsverzögerungen und verspätet einsetzender Pubertät. Umso schlimmer, dass Ärzte bei Kindern mit Darmproblemen eher von den in diesem Alter üblichen von Bakterien oder Viren verursachten Durchfallerkrankungen ausgehen als von einem Morbus Crohn-Schub.

Wie behandelt man bei Morbus Crohn einen akuten Schub?

Die Behandlung eines akuten Morbus Crohn-Schubs hängt von Stärke und Lokalisation im Magen-Darm-Trakt ab. Sind Sie mit dieser Krankheit bereits vertraut, sollten Sie bei einem neuerlichen Schub rechtzeitig Ihren Arzt aufsuchen. Er wird Sie untersuchen und Ihnen geeignete Medikamente verschreiben. Je früher man die Behandlung beginnt, desto geringer fallen die Beschwerden aus und umso schneller gelangen Sie wieder in ein symptomfreies Stadium.

Was muss ich bei einem Morbus Crohn-Schub beachten?

Medikamente sind bei einem Morbus Crohn-Schub nur die halbe Miete. Während eines Schubes müssen Sie vor allem auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Die ständigen Durchfälle sorgen für hohen Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust, den man mit elektrolythaltigen Getränken ausgleichen muss.

Bei Durchfällen hat der Darm kaum Zeit, genügend Nährstoffe aufzunehmen. Achten Sie daher auf ausreichende Kalorienversorgung, damit Sie bei Kräften bleiben. Bevorzugen Sie leicht verdauliche und gut verträgliche Nahrung, um den geschundenen Darm nicht noch weiter zu strapazieren. Tipps für eine geeignete Ernährung bei Morbus Crohn finden Sie hier und in unserem kostenlosen E-Book.

Kann man einen Morbus Crohn-Schub verhindern?

Bisher ist kein Medikament bekannt, mit dem sich ein akuter Morbus Crohn-Schub verhindern ließe. Auch darin unterscheidet sich die Erkrankung von der Colitis ulcerosa, bei der eine Unterdrückung mit dem Salicylsäurederivat 5-Aminosalicylsäure möglich ist.

Die aktuelle Leitlinie empfiehlt bei Patienten mit schweren und häufig auftretenden Schüben Immunsuppressiva (Azathiopurin, 6-Mercaptopurin, Methotrexat) und/oder anti-TNF-α-Antikörper (Infliximab®, Adalimumab®), die alleine oder in Kombination verabreicht werden.

Weitere Informationen zur medikamentösen Behandlung von Morbus Crohn finden Sie hier.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  • S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des M. Crohn” 2014 der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
    Version für Patienten: Morbus Crohn – Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten.
    PDF auf der Seite der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV).
    PDF auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
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