Ist Morbus Crohn heilbar?


Heilbar ist Morbus Crohn bisher nicht. Dazu müsste man seine Ursachen besser kennen und verstehen. Jedoch lassen sich die Zeiten zwischen zwei Schüben verlängern und die während eines solchen Schubs auftretenden Symptome deutlich mildern. Immerhin fast so gut wie Heilung: Anpassung der Ernährungsgewohnheiten, Einnahme von Medikamenten und zusätzliche komplementärmedizinische Behandlung gewährleisten, dass die Erkrankung nicht weiter zu wesentlichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität führt.

Morbus Crohn: Was sind die Ziele der Behandlung?

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die schubweise verläuft. Dementsprechend gibt es akute Phasen, in denen die Erkrankung gesundheitliche Probleme verursacht. Dazwischen liegen Zeiten, die den Patienten so gut wie nicht beeinträchtigen. Ziele der Behandlung des Morbus Crohn sind

  1. die während einer Akutphase auftretenden Entzündungen und damit verbundenen Beschwerden so gut wie möglich zu versorgen und
  2. die Remissionsphasen zwischen zwei Schüben so weit wie möglich zu verlängern.

Risikofaktoren von Morbus Crohn: Welche Ursachen kann man bekämpfen?

Familiäre Disposition spielt bei Morbus Crohn offenbar eine Rolle. Dazu gehört unter anderem die Expression von Defensinen. Gegen Erbkrankheiten gibt es bisher keine Mittel, wohl aber gegen zwei nicht-genetische Risikofaktoren: ungesunde Ernährung und psychischen Stress.

Besonders gesunde Ernährung ist bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wichtig. Dabei muss man individuelle Unverträglichkeiten gegen Nahrungsmittel berücksichtigen. Eine angepasste Ernährung hilft, Krankheitsschübe weniger dramatisch ausfallen zu lassen und weite zeitliche Abstände zwischen den Akutphasen zu halten. Nähere Informationen zum Ernährungsplan finden Sie hier.

Psychischer Stress alleine macht noch keinen Morbus Crohn, aber er kann einen Ausbruch der Erkrankung begünstigen. Möglicherweise liegt das daran, dass Morbus Crohn sehr viel mit dem stressempfindlichen Immunsystem zu tun hat.

Morbus Crohn als Autoimmunerkrankung behandeln

Denn viele Wissenschaftler gehen mittlerweile davon aus, dass es sich bei Morbus Crohn vorrangig um eine Autoimmunerkrankung handelt. Dabei greift die Immunabwehr nicht nur Bakterien und ähnliche Eindringlinge an, sondern auch körpereigene Strukturen. Dafür sprechen neben Stress weitere Risikofaktoren, die bei Morbus Crohn eine Rolle spielen und sich ebenfalls auf die Funktionalität des Immunsystems niederschlagen:

  • Rauchen. Raucher erkranken doppelt so häufig wie Nichtraucher.
  • Übertriebene Hygiene. Das Immunsystem muss ständig zu tun haben. Wenn es sich langweilt, sucht es sich neue Aufgaben. Greift es dabei körpereigene Substanzen an, führt das zu Autoimmunerkrankungen.
  • Schädliche Umwelteinflüsse. In den Industrienationen ist Morbus Crohn wesentlich häufiger als in der Dritten Welt.

Weitere Informationen zu den möglichen Ursachen von Morbus Crohn finden Sie hier.

Morbus Crohn: Welche Medikamente kann man einsetzen?

Bei Morbus Crohn verwendet man Medikamente, die die Entzündungen in Schach halten und die überschießende Immunreaktion reduzieren. Dazu gehören Kortisonpräparate, Aminosalicylate, Immunsuppressiva und Antikörper. Näheres zur aktuell empfohlenen medikamentösen Behandlung von Morbus Crohn können Sie hier nachlesen.

Morbus Crohn: Alternative Therapie statt Schulmedizin – was ist davon zu halten?

Einige Alternativtherapien empfehlen eine Behandlung ohne Schulmedizin und stellen diese als unwirksam hin. Oftmals sind die Methoden der Letzteren langwierig und bringen keine schnellen und umfassenden Ergebnisse. Dann ist man verständlicherweise geneigt, Methoden Glauben zu schenken, die schnellen Erfolg oder sogar vollständige Heilung versprechen.

Nach derzeitigem Kenntnisstand gibt es allerdings keine Alternativtherapie, die einer wissenschaftlichen Untersuchung standhält und üblichen Behandlungsmethoden überlegen wäre. Daher kann man keine davon guten Gewissens zu therapeutischen Alleingängen empfehlen.

Dagegen ist unbestritten, dass man einige unterstützende (komplementäre) Heilverfahren als absolut sinnvolle Ergänzung zu üblichen Behandlungsmethoden einsetzen kann.

Morbus Crohn: Unterstützende Behandlung (supportive Therapie)

Komplementärmedizinische, ergänzende Therapiemethoden aus Homöopathie, Naturheilverfahren und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) werden in den Leitlinien zur Behandlung von Morbus Crohn ausdrücklich empfohlen. Diese wurden in Studien eingehend untersucht und halten einer wissenschaftlichen Überprüfung stand. Zu den empfohlenen unterstützenden Therapien gehören

  • Akupunktur
  • Wermut-Präparate
  • Weihrauch-Extrakt
  • Omega-3-Fettsäure-Kapseln.

Zu homöopathischen Behandlungsmethoden mit Schüssler-Salzen und Globuli finden Sie weitere Informationen hier. Beachten Sie dabei, dass man eine homöopathische Versorgung am besten in Absprache mit einem erfahrenen Therapeuten durchführt. Dieser kann nach eingehender ganzheitlicher Untersuchung das für den jeweiligen Patienten am besten geeignete Mittel auswählen.

Der Einsatz von Probiotika hat sich in einer vorläufigen Untersuchung ebenfalls als hilfreich erwiesen, bedarf allerdings noch weiterer wissenschaftlicher Überprüfung.

Eier des Schweinepeitschenwurms sind auf dubiosen Seiten des Internets als TSO (Trichuris suis ovata) erhältlich. Eine multizentrische Studie mit diesen Parasiteneiern wurde vorzeitig abgebrochen, nachdem keine Wirksamkeit nachweisbar war. Daher sollte man es sich gründlich überlegen, ob man sich für einen zweifelhaften Erfolg freiwillig mit Würmern infizieren möchte.

Wie geht es mit der Heilbarkeit von Morbus Crohn weiter?

Die Forschung arbeitet mit Hochdruck daran, die genauen Ursachen des Morbus Crohn zu klären. Einige Erfolge hat man dabei schon erzielt, aber noch sind wir von einer zuverlässigen Heilmethode weit entfernt. Wirtschaft und Hochschulen sind an einer Verbesserung der Forschungsmöglichkeiten interessiert, sodass man immer mehr neue Forschungsprojekte finanziert und durchführt.

Zu den interessanten Erkenntnissen gehört, dass die Bakterienflora des Darms eine sehr wichtige Rolle spielt. Daher könnte es sein, dass Morbus Crohn in gewissem Sinne ansteckend ist. Die Übertragung einer gesunden Mikroflora durch eine Stuhltransplantation hat in einigen Fällen bereits zu Erfolgen geführt.

Leitlinien

  • Deutsche S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie des M. Crohn” 2014 der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) unter Beteiligung von

Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV)

Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCh)

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)

Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie (DGK)

Deutsche Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV)

Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE)

Kompetenznetz chronisch entzündliche Darmerkrankungen.

Version für Patienten: Morbus Crohn – Ein Ratgeber für Patientinnen und Patienten.

    • PDF auf der Seite der Deutschen Morbus Crohn/Colitis ulcerosa Vereinigung (DCCV) Link >>
    • PDF auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) Link >>

Literatur zur Komplementärmedizin

  1. Omer B, Krebs S, Omer H, Noor TO: Steroid-sparing effect of wormwood (Artemisia absinthium) in Crohn’s disease: a double-blind placebo-controlled study. Phytomedicine. 2007 Feb;14(2-3):87-95.
  2. Krebs S, Omer TN, Omer B: Wormwood (Artemisia absinthium) suppresses tumour necrosis factor alpha and accelerates healing in patients with Crohn’s disease – A controlled clinical trial. Phytomedicine. 2010;17(5): 305-9.
  3. Holtmeier W1, Zeuzem S, Preiss J, Kruis W, Böhm S, Maaser C, Raedler A, Schmidt C, Schnitker J, Schwarz J, Zeitz M, Caspary W: Randomized, placebo-controlled, double-blind trial of Boswellia serrata in maintaining remission of Crohn’s disease: good safety profile but lack of efficacy. Inflamm Bowel Dis. 2011;17(2): 573-82.
  4. Turner D, Shah PS, Steinhart AH, Zlotkin S, Griffiths AM: Maintenance of remission in inflammatory bowel disease using omega-3 fatty acids (fish oil): a systematic review and meta-analyses. Inflamm Bowel Dis. 2011;17(1): 336-45.
  5. Derwa Y, Gracie DJ, Hamlin PJ, Ford AC: Systematic review with meta-analysis: the efficacy of probiotics in inflammatory bowel disease. Aliment Pharmacol Ther. 2017; 46(4): 389-400.
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