MC-Patienten mit epitheloiden Granulomen haben schwereren Krankheitsverlauf

By | 24. Mai 2018

Einige an Morbus Crohn leidende Patienten weisen epitheloide Granulome in ihrer entzündeten Darmwand auf. Was die genaue Ursache für eine solche Ansammlung von umgewandelten Immunzellen ist und was diese zu bedeuten hat, ist bis heute nicht bekannt. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass deren Vorhandensein mit einer vergleichsweise schwerwiegenderen Verlaufsform der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung einhergeht [1].

Was sind epitheloide Granulome?

Granulome sind Gewebeneubildungen, die aufgrund einer Entzündungsreaktion entstehen. Im Falle des Morbus Crohn bestehen sie aus sogenannten Epitheloidzellen, umgewandelten Fresszellen (Makrophagen und Histiozyten) des Immunsystems. Sie sind eng miteinander verzahnt und umschließen das Zentrum des Granuloms, das sie so von der Umgebung hermetisch abschotten. In anderen Fällen wie beispielsweise einer Tuberkulose dient die Bildung von Granulomen dazu, Krankheitserreger und ihre Giftstoffe einzuschließen und so den Schaden zu begrenzen.

Welche Funktion eine solche Wallbildung bei Morbus Crohn haben könnte, ist noch nicht geklärt. Einige Wissenschaftler glauben, dass epitheloide Granulome Fremdkörper umschließen, eine wichtige Rolle bei der Antigenpräsentation spielen und zur Aktivierung und Proliferation von Gedächtniszellen führen [2].

Ebenso weiß man bis heute nicht, warum sie bei an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung leidenden Kindern (53,8 %) wesentlich häufiger auftreten als bei Erwachsenen (17,6 %) [3].

Beeinflussen epitheloide Granulome den Krankheitsverlauf von Morbus Crohn?

Auch die Frage, was diese epitheloiden Granulome mit dem Krankheitsverlauf von Morbus Crohn zu tun haben, war bisher ungeklärt. Entsprechende Verdachtsmomente bestehen schon länger [3,4], ohne dass man ihnen weiter nachgegangen wäre.

Das haben US-amerikanische Forscher zum Anlass genommen, sich den Krankheitsverlauf eines Patientenkollektives näher anzuschauen. Sie untersuchten dazu retrospektiv Patienten, die zwischen 2009 und 2014 in Pittsburgh am Inflammatory Bowel Disease Center behandelt wurden. Dazu erfassten sie demographische Werte und klinische Merkmale wie Aktivität der Erkrankung, Lebensqualität, Medikation und Laborwerte.

Ergebnisse der Studie

1466 Patienten flossen in diese Studie ein. Epitheloide Granulome fanden sich in 187 (12,8 %) davon. In der Gruppe der am Darm operierten Patienten lag der Anteil mit 21 % deutlich höher. Zudem war der Entzündungswert des C-reaktiven Proteins (CRP) im Blut bei Patienten mit epitheloiden Granulomen stärker erhöht. Darüber hinaus waren die Patienten zum Zeitpunkt der Diagnosestellung jünger (23,6 ± 11,3 Jahre mit gegenüber 27,9 ± 13,3 Jahren ohne Granulome).

Patienten mit epitheloiden Granulomen litten öfter an Strikturen oder Durchbrüchen, nahmen mehr Steroide zur Entzündungshemmung und Analgetika zur Schmerzlinderung ein und mussten sich öfter in der Klinik behandeln lassen. Ließen sich Patienten wegen ihrer Erkrankung am Darm operieren, wurde innerhalb der Beobachtungszeitraumes bei denen mit Granulomen mehr als doppelt so oft eine weitere Operation fällig.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Insgesamt gehen epitheloide Granulome mit einem schwereren und aggressiveren Krankheitsverlauf des Morbus Crohn einher. Zudem ist bei den betroffenen Patienten das Risiko höher, dass sie sich erneuten Operationen unterziehen müssen.

Was lernen wir aus dieser Erkenntnis?

Ursache und Bedeutung der epitheloiden Granulome liegen nach wie vor im Dunklen. Interessant ist allein schon die nunmehr gesicherte Erkenntnis, dass unter 13 % der an Morbus Crohn erkrankten Patienten an dieser Sonderform leiden. Vorher veröffentlichte Zahlen wurden anhand von Obduktionen festgestellt und lagen mit knapp 18 % etwas höher [3], was für eine klinisch nicht in Erscheinung tretende Dunkelziffer spricht.

Als wichtigste Erkenntnis der vorliegenden Studie ist zu werten, dass man in dem kleinen Kollektiv aus dem Vorhandensein der Granulome auf einen besonders schwerwiegenden Krankheitsverlauf schließen kann.

Ein solcher prognostischer Faktor ist für die Klinik wichtig, denn er erlaubt eine Einteilung der Patienten mit voraussichtlich besserer und solche mit schlechterer Prognose. Hat man bei einem Patienten epitheloide Granulome vorgefunden, muss dieser engmaschiger mit Koloskopien und anderen geeigneten Methoden untersucht werden, um ein Fortschreiten der Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. So können die Ärzte rechtzeitig operative oder medikamentöse Maßnahmen einleiten, um eine drohende Entartung der Entzündung zu Darmkrebs zu verhindern.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Besprochene Veröffentlichung:
    Johnson CM, Hartman DJ, Ramos-Rivers C, Rao BB, Bhattacharya A, Regueiro M, Schwartz M, Swoger J, Al Hashash J, Barrie A, Pfanner TP, Dunn M, Koutroubakis IE, Binion DG.
    Epithelioid Granulomas Associate With Increased Severity and Progression of Crohn’s Disease, Based on 6-year Follow-Up.
    Clin Gastroenterol Hepatol. 2017 Dec 24. pii: S1542-3565(17)31530-6. doi: 10.1016/j.cgh.2017.12.034.
  2. Matsumoto T, Nakamura S, Jin-No Y, Sawa Y, Hara J, Oshitani N, Arakawa T, Otani H, Nagura H.
    Role of granuloma in the immunopathogenesis of Crohn’s disease.
    Digestion. 2001;63 Suppl 1:43-7. Review.
  3. Rubio CA, Orrego A, Nesi G, Finkel Y.
    Frequency of epithelioid granulomas in colonoscopic biopsy specimens from paediatric and adult patients with Crohn’s colitis.
    J Clin Pathol. 2007 Nov;60(11):1268-72. Epub 2007 Feb 9. Review. PDF.
  4. Matsumoto T, Nakamura S, Jin-No Y, Sawa Y, Hara J, Oshitani N, Arakawa T, Otani H, Nagura H.
    Role of granuloma in the immunopathogenesis of Crohn’s disease.
    Digestion. 2001;63 Suppl 1:43-7. Review.
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