Von Mäusen und Menschen: Curry, Selen und grüner Tee gegen Colitis ulcerosa

By | 26. April 2018

Über gesundheitliche Vorteile von Selen, grünem Tee und Kurkumin wird vielerorts berichtet. Jetzt haben israelische Forscher in Tierexperimenten und einer klinischen Studie herausgefunden, dass sie auch gegen chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa helfen und die damit verbundenen Entzündungen im Zaume halten.

Drei Substanzen aus der Naturheilkunde und wie sie wirken

Kurkumin kennt man als gelborangen Farbstoff aus der Safranwurzel (Curcuma longa), die mit der Ingwerpflanze nahe verwandt ist. Der Wurzelstock verleiht Curry seine charakteristische Farbe. Dem Kurkumin sagt man nicht nur verdauungsfördernde, sondern auch antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften nach, die sogar vor Krebs schützen sollen.

Grünen Tee stellt man aus den unfermentierten Blattknospen des Teestrauchs (Camellia sinensis) her. Neben dem anregenden Thein enthält er als gesundheitlich wirksame Substanzen Catechine, die ihm beim heißen Aufbrühen einen bitteren Geschmack verleihen. Vor allem das Epigallocatechingallat (EGCG) wirkt antioxidativ und entzündungshemmend und soll zudem bei Diabetes, Alzheimer, Parkinson und Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen.

Selen ist ein essenzielles Spurenelement, das der Körper nur in winzigen Spuren benötigt. Das Metall ist Cofaktor zahlreicher Selenoproteine, Enzyme wie der Glutathionperoxidasen, die für die Inaktivierung freier Radikale und damit für den Schutz der Zellen verantwortlich sind. Auch wenn sein Einsatz als Nahrungsergänzung noch vielfach diskutiert wird, konnte man einen heilsamen Effekt auf die Darmgesundheit und auf die Zusammensetzung der Darmflora in klinischen Studien bereits mehrfach nachweisen.

Helfen die drei Naturstoffe auf bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen?

Die Arbeitsgruppe um Professor Nadir Aber vom Integrated Cancer Prevention Center in Tel Aviv haben sich die drei Substanzen in zwei Tiermodellen für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen näher angeschaut. Dazu verglichen sie die Effekte der einzelnen Substanzen mit der gemeinsamen Wirkung und mit der eines Placebos [1].

Schon in einer vorangegangenen Studie hatten sie ein optimales Verhältnis der drei Substanzen für einen synergistischen Effekt herausgefunden [2]. Synergistisch heißt, dass die Stoffe gemeinsam eine bessere Wirkung erzielen als anhand der Einzelwirkungen zu erwarten wäre. Daher verwendeten sie eine Mischung aus 500 Milligramm Curcumin, 250 Milligramm Grüntee und 100 Mikrogramm Selen in Form von L-Selenomethionin.

Selen, Kurkumin und grüner Tee gegen Darmentzündungen im Tiermodell

Diese Mischung benutzten sie in Tiermodellen, die eine Colitis ulcerosa nachstellen, einmal bei Mäusen und einmal bei Ratten. Bei den Tieren wurden täglich Gewichtsverlust, Blut im Stuhl und Stuhlkonsistenz überprüft, um die Schwere der Darmentzündung festzustellen. Nach dem Tod der Tiere wurden zudem Länge und Schädigung des Darms bestimmt und die Milz gewogen.

Die neuen Untersuchungen bestätigten den synergistischen Effekt der drei Komponenten in beiden Tiermodellen. In der Placebogruppe waren die Entzündungen wesentlich schwerer als in der Behandlungsgruppe. Den größten Beitrag zu diesem Effekt lieferte das Selen, gefolgt vom Kurkumin.

Bestätigung der Ergebnisse am Menschen

Danach erhielten zur Validierung der Ergebnisse zwanzig Patienten mit leichter bis mittelschwerer Colitits ulcerosa das Kombinationspräparat. Sie alle wurden zu Beginn und am Ende der klinischen Phase 2A-Studie mit einer Koloskopie untersucht, um den Erfolg der Behandlung endoskopisch beurteilen zu können.

Alle vertrugen das Mittel problemlos, das zudem gute Erfolge zeigte. Bei neun Patienten ging die Darmentzündung vollständig zurück, bei vieren kam es zu einer wesentlichen und bei einem zu einer leichten Verbesserung. Nur bei zwei Patienten trat keine Linderung der Symptomatik auf. Der verbliebene Patient hatte die Studie vorzeitig abgebrochen.

Selen, Kurkumin und Grüntee als Präparat

In den USA ist mittlerweile eine Nahrungsergänzung namens Coltect auf dem Markt. Das Präparat enthält pro Tablette 515 Milligramm Kurkuma, 250 Milligramm Extrakt aus Grüntee und 100 Milligramm Selen in Form von L-Selenomethionin, ähnlich wie im Tierexperiment. Davon sollen die Patienten zweimal täglich eine Kapsel einnehmen. Bei uns gibt es das Präparat noch nicht.

Klinische Studie ist in Arbeit

Die Ergebnisse aus der bereits abgeschlossenen klinischen Studie sind aufgrund der geringen Teilnehmerzahl mit Vorsicht zu betrachten. Trotzdem ist das bereits ein Fortschritt gegenüber vergleichbaren Studien, die wesentlich geringere Behandlungserfolge erzielen konnten.

Zur Bestätigung der vorliegenden Ergebnisse ist eine umfangreichere klinische Studie in Arbeit, die den Effekt von Coltect auf den Menschen näher untersucht [3]. Sie wurde im Dezember 2017 vorläufig abgeschlossen und soll im Juli 2018 endgültig ausgewertet sein. An dieser randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie nehmen vierzig Personen teil. Untersuchungsobjekte sind die Besserung der mit der Colitis ulcerosa verbundenen Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität. Zudem untersucht man die Veränderungen der Darmflora bei Einnahme des Präparates.

Quellen, Links und weiterführende Literatur

  1. Shapira S, Leshno A, Katz D, Maharshak N, Hevroni G, Jean-David M, Kraus S, Galazan L, Aroch I, Kazanov D, Hallack A, Becker S, Umanski M, Moshkowitz M, Dotan I, Arber N:
    Of mice and men: a novel dietary supplement for the treatment of ulcerative colitis.
    Therap Adv Gastroenterol. 2017 Nov 28;11:1756283X17741864. doi: 10.1177/1756283X17741864. eCollection 2018. PMID: 29383023. PDF>>.
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    Chemopreventive effects of Coltect, a novel dietary supplement, alone and in combination with 5-aminosalicylic acid in 1,2-dimethylhydrazine-induced colon cancer in rats.
    Therap Adv Gastroenterol. 2010 Sep;3(5):281-9. doi: 10.1177/1756283X10379258.
  1. Klinische Studie „The Effect of Coltect (Selenium, Curcumin and Green Tea) on Irritable Bowel Syndrome“, aufgeführt in der U.S. National Library of Medicine. Link>>
  1. Triantafillidis JK, Triantafyllidi A, Vagianos C, Papalois A:
    Favorable results from the use of herbal and plant products in infammatory bowel disease: evidence from experimental animal studies.
    Ann Gastroenterol. 2016 Jul-Sep;29(3):268-81. doi: 10.20524/aog.2016.0059. Epub 2016 Feb 20. Review. PMID: 27366027. PDF>>.
  1. Martin DA, Bolling BW.
    A review of the efficacy of dietary polyphenols in experimental models of inflammatory bowel diseases.
    Food Funct. 2015 Jun;6(6):1773-86. doi: 10.1039/c5fo00202h. Review. PMID: 25986932.
  1. Malone M, Tsai G.
    The evidence for herbal and botanical remedies, Part 2.
    J Fam Pract. 2018 Jan;67(1):E1-E9. PMID: 29309470.
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